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Das erste Gebot

10 Gebote

Ich bin der Herr, dein Gott.
Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.

An einem Dienstagmorgen sagt Bea: Neuerdings habe ich das Gefühl, ich brauche ein bisschen mehr Gott in meinem Leben. Schweigend bestreicht ihr Mann seinen Toast sorgfältig bis an die Ränder mit Marmelade, und als er damit fertig ist, sagt er grinsend: Oh Gott, Bea, wirst du plötzlich religiös?
Fühlst du dich nicht manchmal eingesperrt in deiner Haut? Hoffst du nicht manchmal auf einen Gott, der dich erlöst?
Nö, sagt ihr Mann. Welcher Gott schwebt dir denn so vor? Können wir uns da auf einen einigen?
Ein einziger Gott und  sonst gar nichts, sagt Bea, das ist immerhin eine bestechende Idee, findest du nicht?
Er sieht sie über seine Brille hinweg prüfend an wie ein Kind, das einen fiebrigen Infekt ausbrütet. Bea, sagt er dann, jetzt werd mal nicht aus lauter Angst vorm Alter zur Fundamentalistin. Er steht auf und leckt sich einen Marmeladenfinger ab. Du brauchst eine Pause, sagt er, das ist alles. Eine Pause von mir, von deinen Kindern, deinem Job.
Er schenkt ihr einen Wochenendstädtetrip von seinem Flugmeilenkonto. Barcelona, Dublin oder Rom?, fragt er.
Ich kann mich nicht entscheiden.
Das kannst du nie, sagt er, und du willst jetzt plötzlich einen einzigen Gott? Damit fing all der Ärger an.
Am nächsten Morgen sieht Bea die Umrisse Italiens auf ihrem Frühstückstoast. Das ist ein Zeichen, ruft sie. Ich nehme Rom! Er hält ihr seine Hemdsärmel hin, damit sie ihm die Manschettenknöpfe zuknöpft. Verkauf den Toast als Wunder Gottes auf E-Bay, sagt er.

Den vollständigen Artikel von Doris Dörrie finden Sie auf den Internetseiten des evangelischen Online Magazins chrismon.de hier.

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