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Das vierte Gebot

10 Gebote

Du sollst den Feiertag heiligen

Reinhold stand am Fenster und schaute hinaus. Unten auf der Straße gingen ein paar Männer vorbei und er trat instinktiv einen Schritt zurück. Im Grunde fürchtete er sich vor den Menschen hier, vor ihrer launischen Art und ihrer Verstocktheit. Ihre grobe Sprache stieß ihn ab und ihr Lachen war ihm unheimlich. Sein Vorgänger war wie sie gewesen, ein ungeschlachter lauter Mensch, der am Sonnabend mit seiner Gemeinde trank und ihr am Sonntag ins Gewissen redete. Als Reinhold die Stelle vor einem Jahr angetreten hatte, war er voller Tatendrang gewesen. Er hatte sich auf den Bodensee gefreut und hatte gedacht, die Menschen seien offener im Süden. Aber er hatte sich getäuscht. Und was er auch angefangen hatte, es war ihm misslungen. Alles Mögliche wurde ihm vorgeworfen, dass er beim Abendmahl Brot statt Oblaten verwendete, Traubensaft statt Wein, überhaupt, dass er den Gottesdienst nicht so feiere, wie man es gewohnt sei. Es hieß, er kümmere sich zu wenig um die Alten, und dass er sich von den Konfirmanden duzen ließ, war auch nicht recht. Es waren lauter Kleinlichkeiten. Mit der Organistin hatte er es sich verdorben, weil seine Frau ein paar Mal Gitarre gespielt hatte im Gottesdienst, mit dem Mesner, weil er die Abrechnungen etwas zu genau kontrollierte.

Den vollständigen Artikel von Peter Stamm finden Sie auf den Internetseiten des evangelischen Online Magazins chrismon.de hier.

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