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Macht Gott Fehler?

Weg

Seit 12 Monaten bin ich jetzt Pfarrer hier in dieser Gemeinde. Im Juni letzten Jahres bin ich in Sydney angekommen und jetzt sitze ich in meinem Arbeitszimmer und lasse vor meinem inneren Auge dieses letzte Jahr noch einmal vorbeiziehen. Meine Güte, was war da alles los, privat und gemeindlich.

Die ersten zwei Dienstwochen hatten es gleich ziemlich in sich. Wir mussten uns von unserem langjährigen Organisten und Kantor Günther Holler verabschieden, der nach einem Gottesdienst auf der Heimfahrt tödlich verunglückte. Jetzt ist im Mai Angelika Rehnert völlig überraschend gestorben. Angelika, die zusammen mit Dietrich unsere Kirchlichen Nachrichten fast im Alleingang seit mehr als 10 Jahren erstellt hat. 13 weitere Gemeindemitglieder sind in diesem Jahr verstorben. Gemeindemitglieder, zu denen wir als Gemeinde ganz unterschiedlich enge Verbindungen hatten. 15 Familien, deren Leben sich von einem Tag auf den anderen, manchmal sogar von einer Sekunde auf die andere, grundlegend verändert hat. Und ich sitze in meinem Sessel im Arbeitszimmer und mache mir über das Warum und das Wieso Gedanken und finde keine Antwort für mich. Warum ändern sich unsere Lebenssituationen manchmal so abrupt und extrem? Warum bricht ein Lebensgebäude manchmal so plötzlich, unerwartet und endgültig zusammen?

Ich merke wieder einmal, dass auch ich als Pfarrer immer mal wieder vor Fragen kapitulieren muss und mir eingestehen muss, dass mein Hirn zu klein, vielleicht auch zu menschlich ist, um manche Fragen des Lebens beantworten zu können.

In solchen Momenten ohne Antwort fällt mir dann immer ein Lied ein, das ich bei der ersten Beerdigung meines Lebens, die ich bewusst als trauernder junger Mann miterlebt habe, zusammen mit Freunden gesungen habe. Meine erste richtig feste Freundin Anita ist ein paar Monate nachdem wir uns getrennt hatten, während eines Zeltlagers bei einem Autounfall mit 17 Jahren ums Leben gekommen und wir Mitarbeiter haben bei der Beerdigung folgendes Lied gesungen:

Erscheinen meines Gottes Wege mir seltsam, rätselhaft und schwer.
Und geh’n die Wünsche, die ich hege, still unter in der Sorgen Meer.
Will traurig schwer der Tag verrinnen, der mir nur Schmerz und Qual gebracht,
dann will ich mich auf eins besinnen, dass Gott nie einen Fehler macht.

Wenn über ungelöste Fragen mein Herz verzweiflungsvoll erbebt,
an Gottes Liebe will verzagen, weil sich der Unverstand erhebt,
dann darf ich all mein müdes Sehnen in Gottes Hände legen sacht,
und dieses sprechen unter Tränen, dass Gott nie einen Fehler macht.

Drum still mein Herz und lass vergehen, was irdisch und vergänglich heißt.
Im Lichte droben wirst du sehen, dass gut die Wege, die er weist.
Und würdest du dein Leben missen, ja, ging’s durch kalte, finstre Nacht,
halt fest an diesem sel’gen Wissen, dass Gott nie einen Fehler macht

Dieses Lied kommt mir immer mal wieder in den Sinn, weil es mich unendlich tröstet, wenn ich wieder einmal etwas im Leben nicht verstehen kann. Wenn ich Fragen im Leben habe, die ich nicht beantworten kann und an denen ich manchmal schier verzweifle.

Auf der anderen Seite merke ich aber auch, wie ich immer wieder sauer werde, weil ich nicht verstehen kann, was an dieser oder jener Lebenssituation, an diesem oder jenem Ereignis Gutes sein soll. Warum etwas so oder so geschehen ist. Ich kann mich dann einfach nicht in Gottes tröstende, helfende Hand fallen lassen, auch wenn ich es gerne wollte.

Zum Glück, oder besser gesagt Gott sei Dank hab ich dann immer wieder den gleichen Gedanken, der mich in solchen trüben Gedankengängen anhalten lässt, der mich immer wieder aufrichtet und mir hilft:
Irgendwann mal, wenn meine Zeit gekommen ist, dann werd ich Gott von Angesicht zu Angesicht gegenüber stehen. Und dann, so denk ich es mir immer, werde ich ihn definitiv fragen: Warum….??? Und ich bin mir sicher, er wird es mir dann liebevoll erklären und ich werd es endlich verstehen können. Darauf bin ich gespannt!

Comment(1)

  1. Antwort
    Heinz Doeblitz says

    Dear Pastor Dirk,
    Es besteht gar kein Grund sauer zu werden, wenn man etwas nicht versteht (Philipper 4:4-9, 5 Mose 29:28[29]).
    Jesus promises in Matthew 7:7-8 and Luke 11:9-10 insight and direction through the work of the Spirit within us.
    Jesus tells us in Matthew 6:33: “But seek first his kingdom and his righteousness, and all these things will be given you as well.”
    If you need help to find God’s Kingdom, please let me know (heinzdz@hotmail.com).
    Yours in Christ,
    Heinz

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