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Aufgefahren in den Himmel

Himmelfahrt

Vor ein paar Wochen war ja Christi Himmelfahrt. Eine Freundin schickte mir zu diesem Tag folgende Kurzpredigt von Frank Muchlinsky, die ich gerne teilen möchte:

“Noch ein paar Ellen, dann hast du es geschafft!” Gott schaut aufmunternd zu seinem Sohn hinab, der sich gerade bemüht, durch eine besonders dichte Wolke zu ihm heraufzusteigen. “Ehrlich gesagt”, seufzt Jesus ein wenig ungehalten, “hatte ich schon öfters gedacht, ich hätte es endlich geschafft. Aber dann kam es für gewöhnlich nur noch härter.” Doch dann ergreift er die ausgestreckte Hand Gottes und lässt sich das letzte Stück von ihm hinaufziehen.
“Schön, dass du da bist, Junge!” Gott zieht Jesus in eine Umarmung. “Frohe Himmelfahrt!”, begrüßt er seinen Sohn und hält ihn mit ausgestreckten Armen vor sich. “Lass dich mal ansehen. Ach, je! Du siehst ja aus wie das wandelnde Elend!” –  “Kein Wunder, oder? Schließlich bin ich jahrelang herumgelaufen, habe mich von dem ernährt, was andere mir so gegeben haben, bin gefoltert, getötet und begraben. Damit nicht genug, musste ich noch hinab in das Reich des Todes”, sprudelt es aus Jesus hervor.
Gott schaut seinen Sohn mitleidig aber auch ein wenig verständnislos an. “Nun ja, das war der Plan, nicht wahr?”, fragt er ein wenig zögernd, doch dann wird sein Blick neugierig: “Wie ist es dort, ich meine im Reich des Todes? Es ist wohl so ziemlich der einzige Ort, den ich nicht kenne!”
“Da hast du nichts versäumt”, winkt Jesus ab, “dunkel eben; und man merkt, dass du nicht da bist. Das macht es sehr ungemütlich.” –  “Aber du hast Licht gemacht, oder? Du hast unsere Graffiti angemalt? ‘God was here’? Sag mir, dass Du das getan hast!” –  “Viel besser”, grinst Jesus und zieht aus seinem Gewand einen kleinen angelaufenen Schlüsselbund. “Nein”, ruft Gott begeistert, “die Schlüssel zur Unterwelt!” Gott sucht sichtbar nach den richtigen Worten, um seine Begeisterung auszudrücken. Schließlich lächelt er sehr breit und sagt: “Himmlisch.” Jesus grinst ein wenig verlegen. “Ja”, sagt er dann langsam, “Nun werden die Leute da unten”, er nickt in Richtung Erde, “selbst im Tod nicht ohne dich sein müssen.”
Dann wendet er seinen Kopf und blickt verstohlen zur Erde hinab. “Sie wissen nicht, was sie tun sollen”, seufzt er, “sie sind so hilflos.” – “Du hast ihnen aber doch gesagt, was sie tun sollen, oder?”, Gott runzelt ein wenig die Stirn. “Ja, das habe ich”, antwortet sein Sohn. “Kurz bevor ich ging, habe ich ihnen noch einmal unmissverständlich gesagt: ‘Geht, verkündigt das Evangelium und tauft, was das Zeug hält!’ Aber dennoch”, Jesus schaut ein wenig verlegen, “ich meine, du weißt doch, wie sie sind. Wie oft hast du ihnen schon gesagt, was sie tun sollen, und dann haben sie doch wieder gemacht, was sie wollten.”
“Willst du sagen”, sagt Gott und wirkt ein wenig aufgebracht, “dass der ganze Aufwand nichts gebracht hat? Maria, die ungewollte Schwangerschaft, die Jahre, in denen du gepredigt hast, die Wunder, die Heilungen, meine Güte, was brauchen sie denn noch?” – “Nein”, sagt Jesus und sieht seinem Vater nun direkt ins Angesicht, “es hat eine Menge gebracht, denke ich. Ich kann sie jetzt verstehen. Du kannst mir glauben, es gab mehr als nur einen Moment, an dem ich gern alles hingeschmissen hätte.” – “Ja, ich erinnere mich an diese Geschichte im Garten. Wie hieß der doch gleich?” – “Gethsemane”, hilft ihm Jesus. “Aber es waren eben nicht nur die Momente, in denen es mir wirklich schlecht ging. Manchmal, wenn ich mich rundum wohl fühlte, wenn ich mal zu Ruhe kam, wenn die Gesellschaft gerade besonders nett war oder das Essen, dann dachte ich mir: ‘Ach, Gott, morgen muss ich wieder ran.’ Ich verstehe sie jetzt. So richtig.” Gott lächelt, dann weist er auf den besonders bequemem Sessel rechts von seinem eigenen und sagt: “Komm, mach’s dir bequem!” Als Jesus Platz genommen hat, schaut er seinen Sohn an und fragt: “Dann hat sie dir also gefallen, meine Schöpfung?” – “Ja, sehr!”, seufzt Jesus, “eine wirklich gute Arbeit! Und das Ganze in sieben Tagen.” – “Was gefiel dir am besten?” Jesus denkt nur kurz nach, dann antwortet er: “Der Wein.” Etwas zögernd fügt er hinzu: “Die Frauen sind auch sehr gut gelungen.” Gottes Angesicht wird noch ein wenig heller: “Es scheint mir, als wärst Du in der Tat wahrer Mensch gewesen. Gut so! Aber was machen wir nun mit den anderen?” Jesus schaut kurz in Richtung Erde. “Ich denke, wir können sie nicht ganz allein lassen. Schicken wir ihnen unseren Geist. Der kann sie dann auch immer mal wieder erinnern, dass es mehr gibt.” – “Mehr als was?”, fragt Gott. “Mehr als Wein und Frauen zum Beispiel”, gibt Jesus errötend zu.
“Ja, ruh dich erst einmal ein wenig aus, und dann schicken wir ihnen unseren Geist. Du siehst wirklich immer noch sehr mitgenommen aus. Aber nun kannst Du ja hierbleiben und dich bis in alle Ewigkeit erholen.” Jesus runzelt die Stirn: “Ich denke, ich werde wieder hingehen. Du weißt schon: runter zu ihnen.” – “Wegen des Weins?” Jesus beginnt so heftig an zu lachen, dass er zu husten beginnt. “Nein”, sagt er und wischt sich die Tränen aus dem Gesicht, “weil es doch irgendwann einen neuen Himmel und eine neue Erde geben soll. Und dann hole ich sie her. Alle!” Auf einmal hat Gott einen Becher in der Hand und reicht ihn Jesus: “Wein?” Und während ein paar Engel auftreten, um ein besonders schönes “Heilig, heilig!” zu singen, hebt Jesus den Kelch und nickt Gott zu: “Schönen Vatertag!”

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