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Pro und Contra: Paten, die nicht in der Kirche sind

Taufe

von Frank Muchlinsky & Claudius Grigat

Immer mehr Eltern haben Probleme, in ihrem Bekanntenkreis Freunde zu finden, die sie als Paten für ihre Kinder wählen dürfen. Der Grund: Paten müssen Mitglieder der Kirche sein. Einige Landeskirchen lockern auch aus diesem Grund derzeit die Bestimmungen für das Patenamt. Unsere Redakteure Frank Muchlinsky (Pfarrer) und Claudius Grigat (Vater) haben ein Experiment gewagt: Sie haben die Positionen getauscht, die üblicherweise mit ihren „Rollen“ einhergehen. Der Pfarrer setzt sich für nichtkirchliche Paten ein, der Vater dagegen. Auf diese Weise soll ein Verstehen der jeweils anderen Seite möglich werden.

Den vollständigen Artikel finden Sie auf den Internetseiten von evangelisch.de hier.

Kommentare ( 2)

  1. Reply
    Matthias Müllersagt

    Genau vor diesem Problem, stand ich vor kurzem wieder als es um die Frage der Paten für die Taufe meiner zweiten Tochter ging (sie wurde gerade letzten Sonntag in der Martin-Luther-Kirche getauft).

    Die traurige Tatsache ist leider, daß von meinen deutschen Freunden zum einen praktisch keiner mehr seine Kinder taufen läßt und zum anderen kaum einer noch Mitglied in der EKD ist. Was auch immer der Grund dafür gewesen war (unwillens die Kirchensteuer weiter zu zahlen oder eine fehlende Identifikation mit den Werten und der Kirche als ganzes), „Patenfähige“ Personen werden seltener und seltener in der evangelischen Kirche und unsere Gesellschaft.

    Wir waren zwar in der glücklichen Lage für die Taufen meiner beiden Töchter jeweils einen Evangelen „heranziehen“ zu können aber in beiden Fällen musste jeweils eine Katholikin und ein Anglikerin noch zusätzlich aushelfen. Und um die Sache noch schlimmer zu machen, haben wir bei beiden Taufen eine Taufzeugin gehabt die Jüdin ist (Taufpatin durfte sie ja nicht sein)!

    Martin Luther soll gesagt haben, daß Taufpaten „besonders feine, sittige, ernste und fromme Gevattern“ sein soll und dem kann ich nur von ganzem Herzen zustimmen. Für mich ging bei der Auswahl der Paten (und der Zeugin) in erster Linie darum wer die moralische und geistige Standhaftigkeit hat die richtigen Werten, Gesinnung und Weltanschauung an meine Töchter weiterleiten zu können. In aller vorraussicht nach, wird der Pate selber nicht wirklich aktiv an der religiösen Erziehung der Kinder teilnehmen. Diese geschieht im Religionsunterricht, in der Sonntagsschule, in Kinderkirchentagen usw.

    Für mich ist die Aufgabe des Paten eine lenkende Hand zu sein, um das Kind in ein christlich-evangelisches Umfeld einzubetten. Dafür zu sorgen, daß die Sonntagsschule besucht wird und Fragen zu behandeln die im Religionsunterricht aufgebracht wurden. Er/Sie ist nicht die Person, die die geistige Erziehung durchführt sondern die Erziehung lenkt und begleitet. Und das kann nur jemand sein der eben ein besonders feiner, sittiger, ernster und frommer Gevatter ist.

    Aber diese Eigenschaften sind nicht unbedingt daran gebunden, daß jemand Mitglied der evangelischen Kirche sein muss!

    Ich bin mir ziehmlich sicher, daß in unserem Falle die eigentlichen Paten, die in Deutschland, Frankreich und England leben, nur begrenzt an der Gesinnungsbildung meiner Töchter teilnehmen werden. Die jüdische „Taufzeugin“ hingegen ist greifbar und präsent im Leben meiner Töchter und darüber hinaus bibelfest und wertetreu und, obwohl sie selber nur die eine Hälfte der Bibel liest, habe ich überhaupt keine Zweifel, daß sie der Fels in der Brandung sein und meinen Töchter zur Seite stehen wird, um diese zu standhaften evangelischen Christen erziehen zu lassen.

    Die Frage, ob man Paten zulassen soll, die selber nicht in der Kirche sind, ist eine sehr typisch deutsche Frage, wo immer gerne viel theorisiert wird und man der praktischen Seite nur wenig Beachtung schenkt. Ich denke, die Antwort läßt sich auf einen einfachen Nenner bringen: wenn man wieder mehr Taufen sehen und damit dem stetigen Schrumpfen der Kirche entgegenwirken möchte, dann wird man nicht-kirchliche Paten zu lassen müssen.

    Anders formuliert: keine Paten, keine Taufen, keine Kirche!

  2. Reply
    Angelikasagt

    @Matthias Müller, ich wünsche Ihnen, dass Ihre Töchter die Paten zumindest kennen, es scheint ja eine spannende Kombination zu sein. Mein Sohn hatte da weniger Glück: vier evangelische Paten, aber nur mein Bruder hat sich um ihn gekümmert.

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