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Ein Weihnachtsbaum in Down Under – Wie geht das bitte?

Karl Wunderlich

Wie funktioniert das, dass an Heilig Abend in der Martin-Luther-Kirche eine dreieinhalb Meter große Blaufichte in weihnachtlichem Glanz erstrahlt – ausgerechnet in Down Under? Was in Deutschland kaum ein Problem ist, entwickelt sich hier zu einer Aktion, die schon Wochen vor Heilig Abend beginnt und an der viele Hände mitwirken, damit es ein Heilig Abend wie in Deutschland gibt. Karl Wunderlich organisiert seit 12 Jahren die „Operation Weihnachtsbaum“. Thomas Dietl war im Gespräch mit ihm.

TD: Karl, du engagierst dich für den Weihnachstbaum in unserer Kirche, warum ist dir das so wichtig?

KW. Ja, vor zwölf Jahren habe ich angefangen, mich um die Bäume zu kümmern. Für mich ist das ein Christbaum. Denn er hat ja etwas mit Christus zu tun. Ich bin ein Naturmensch. In Deutschland in Oberfranken habe ich am Wald gewohnt, ich wollte sogar früher Förster werden. Dann bin ich damals schon im November in den Wald gegangen und habe mir den schönsten Baum gesucht, das hat mir gefallen. Und das wollte ich hier auch haben.

TD: Ich habe Bilder gesehen von den wunderbaren Bäumen der letzten Jahre – wo bekommt man hier solche Bäume?

KW: Du machst dir ja keine Vorstellung. Hier gibt es nur die beschnittenen Bäume. Aber da ist eine Familie, früher in Robertson, jetzt Richtung Canberra, die haben Bäume angebaut, wie wir sie aus Deutschland kennen. Tannen, Fichten, wunderbar. Ich bin dann immer nach Robertson gefahren, im November und habe mir einen Baum ausgesucht. Oft hat die Eigentümerin schon Bäume markiert extra für uns: „Church 1“ und „Church 2“. Sie war einfach toll. Nach ihrem Tod haben mich die Kinder gefragt, ob ich auf ihrer Beeerdigung etwas sage, als „long time christmas tree customer“. Das war sehr bewegend.

TD: Wie läuft das dieses Jahr ab?

KW: Ich fahre wohl nächste Woche einmal mit Wally raus und suche Bäume aus. Da fährst du drei Stunden für eine Strecke. Ich nehme eine Leiter mit. Da ist ein großer Zaun um das Gelände. Da muss ich mit der Leiter drüber steigen, denn da ist jetzt keiner, die kommen erst kurz vor Weihnachten, um die Bäume zu schlagen. Ich gehe durch den Wald und mache Schilder an die Bäume, die ich haben will. Dann fahre ich mit Paul Keller kurz vor Weihnachten mit dem Truck hin und hole die Bäume. Früher habe ich das mit Helmut Scheidl gemacht, Suzanne war auch schon einmal mit, auch ihr Sohn Drew hat viel mitgeholfen. Von Herzen möchte ich den vielen ungenannten Helfern danken, denn ohne sie wäre all das nicht möglich.

TD: Wie transportiert ihr den Baum – mitten im Hochsommer?

KW: Der Baum wird mit Wasser übergossen. Die Bäume sind für die Familie dort wie Kinder. Sie holen Wasser, und noch einen Eimer und noch einen und begießen den Baum. Dann wird er in zwei Decken eingewickelt und wird noch einmal begossen. Er darf nicht trocken werden, auf gar keinen Fall. Dann kommt der Baum auf den Truck und wir fahren ihn nach Sydney. Heinz Müller hat einen Ständer gebaut für den Baum, der fasst 12 Liter Wasser. Am Anfang braucht der Baum vier Liter Wasser am Tag.

TD: Und dann schmückt ihr den Baum?

KW: Helmut Scheidl und ich schmücken den Baum. Helmut macht die Lichter und ich kümmere mich um den Schmuck. Es kehrt dann eine Ruhe bei mir ein, die Menschen erkennen mich gar nicht wieder.

TD: Warum machst du dir jedes Jahr wieder die ganze Arbeit?

KW: Meine Belohnung ist, dass der Baum wunderschön ausschaut wenn er fertig ist, wenn er dekoriert ist, wenn dann an Heilig Abend die Kirche bis zum letzen Platz voll ist, und mindestens 20-30 Kinder da sind. Alle kommen in die Kirche, sehen den Baum, aber die Lichter sind ja noch nicht an. Und wenn es dann 17 Uhr ist und der Gottesdienst beginnt, dann werden die Lichter am Christbaum angemacht, und dann hörst du: Aaaaahhhhh. Und das ist eine große Genugtuung für mich. Das ist der schönste Moment, wenn die Lichter am Baum angemacht werden.

Comments(2)

  1. Antwort
    Klaus Mellin says

    Ein sehr interessantes Interview, vor allem wenn man es hier in Deutschland liest.Danke! Gerne erinnere mich an die Gottesdienste in der Martin Luther Kirche letztes Jahr zum 3. Advent (der Baum war noch nicht geschmückt) und am 1. Weihnachtstag. Vielleicht veröffentlicht Ihr ein Bild vom Weihnachtsbaum in diesem Jahr. Wäre schön.

  2. Antwort
    Mathias Burbach says

    Hallo Klaus,
    recht herzlichen Dank für Deinen Kommentar. Ein Bericht vom Gottesdienst an Heilig Abend mit Bild vom Christbaum steht schon in der Warteschlange und erscheint am Samstagmorgen (AEDST).
    Salut,
    Mathias

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