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Angedacht: Geh aus mein Herz und suche Freud!

„Sunny. Partly cloudy.“

So liest sich der Forecast für die kommenden Tage, während ich diese Zeilen schreibe: Sunny. Partly cloudy. Slight chance of a shower.

Wie das Wetter – so das Leben. Wie geht es, frage ich den Nachbarn auf der Straße.

Naja, normal. Mal gut, mal schlecht.

Er sieht nicht glücklich aus.

Bei ihm scheint es mehr „cloudy“ als „sunny“ zu sein.

Aber dann erzählt er von seinem Enkelkind.

Seine Augen beginnen zu strahlen. Die Sonne blitzt durch die Wolkendecke.

Die Lebensfreude ist da, wenn auch oft verborgen unter grauen Wolken.

Gott sei Dank.

Geh aus, mein Herz, und suche Freud, in dieser lieben Sommerzeit an deines Gottes Gaben;

schau an der schönen Gärten Zier und siehe, wie sie mir und dir

sich ausgeschmücket haben, sich ausgeschmücket haben.

Die Bäume stehen voller Laub, das Erdreich decket seinen Staub mit einem grünen Kleide.

Narzissus und die Tulipan die ziehen sich viel schöner an

als Salomonis Seide, als Salomonis Seide.

Ich habe dieses wunderschöne Paul-Gerhardt-Lied nie bewusst auswendig gelernt und kenne doch fast alle Strophen. Es singt und klingt in mir, wenn ich im Frühling und im

Sommer draußen unterwegs bin. Und wenn es nach mir ginge, könnten wir es in jedem Gottesdienst singen. Mir würde es nicht langweilig werden. Es sind die starken und zugleich zarten Bilder, die Paul

Gerhardt vor Augen malt: Tulpen und Narzissen im Festkleid, die hochbegabte Nachtigall mit ihrem Gesang, die unverdrossen umherfliegende Bienenschar. Bäche rauschen, der Weizen wiegt sich im Wind und

Schafe blöken. Der Sommer ist ein Fest, und was für eins. Mehr Sonne als Wolken. Und Regen nur, wenn nötig. Doch ganz am Anfang steht kein Bild, sondern eine Aufforderung: Geh aus!

Da treibt sich einer an, er schubst sich fast nach draußen. Paul Gerhardt hat diese Strophen geschrieben, als den Menschen nicht nach Jubel, Trubel, Sommerheiterkeit zumute war. Der dreißigjährige Krieg hat ganz Europa in Angst und Schrecken versetzt. Auch der Dichter hat liebe Menschen betrauert. Nicht nur er hat sich darum wohl lieber in seiner Kammer verkrochen. Los, raus mit euch, sagen Eltern und schicken die Kinder zum Spielen in den Garten. Fast immer kommen die fröhlich und müde zurück.

Auch uns Erwachsenen tut es einfach gut, draußen zu sein. In der Natur fällt der Blick aufs Große und Ganze. Der Blick auf einen Baum, auf einen Bach, auf die Wolken am Himmel hilft und stärkt. Die Schöpfung

verzaubert. Sie stärkt das Vertrauen ins Leben. Sorgen verlieren ihre Größe. Wir entdecken im Wetter und in unserem Leben: Die Sonne scheint immer.

Auch hinter den Wolken.

Und wieder nach dem Regenguss.

So auch die Sonne der Liebe Gottes. Amen.

Ich selber kann und mag nicht ruhn, des großen Gottes großes Tun erweckt mir alle Sinnen;

ich singe mit, wenn alles singt, und lasse, was dem Höchsten klingt,

aus meinem Herzen rinnen, aus meinem Herzen rinnen.

Ihre Pastorin

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