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Behind the Gate

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Bericht über unseren Besuch in der Ausstellung “Hinter dem Tor” im Regionalmuseum  Liverpool.

Am 24. April 2015 machte sich eine Gruppe aus unserer Gemeinde auf den Weg nach Liverpool.
Helga Koenig, die Leiterin des Kulturkreises, hatte wieder einmal alles bestens detailliert vorbereitet.
Ein genauer Marschplan war jedem Teilnehmer zugesandt worden, im Museum erwartete uns eine freundliche Mitarbeiterin, und für Tee, Kaffee und Kekse war auch gesorgt. Man wird so nett nicht in jedem Museum empfangen! Ein Teil der Gruppe traf sich auf dem Zentralbahnhof, ein anderer Teil stieß in Strathfield zu, von wo es fröhlich weiter bis nach Liverpool ging und dann mit dem Bus bis zum Museum. Dort warteten bereits andere Teilnehmer, darunter unsere Pfarrerin, die mit dem Auto gekommen waren.
Die Ausstellung, die am 6. März eröffnet worden war, behandelt eine nicht so rühmliche Episode in der australischen Geschichte. Im ersten Weltkrieg wurden Deutsche und auch Österreicher, nur Männer, in Internierungslagern gefangen gehalten. Im Lager Holsworthy, das im Bezirk Liverpool lag, wurden bis zu 6000 Männer festgehalten. Es war das größte Internierungslager in Australien. In der Ausstellung, die Fotos, Lagerzeitschriften und andere interessante Exponate enthält, wird versucht, das tägliche Leben der Internierten darzustellen. In den Begleittexten wird einfühlsam auf die Situation der Insassen hingewiesen. Es waren ganz gewöhnliche Menschen, viele von ihnen bereits australische Staatsangehörige, die Leben, Familien und Beruf außerhalb des Lagers gehabt hatten  und nun plötzlich aus dem Alltagsleben herausgerissen wurden und in ein unwirtliches, im Sommer heißes und im Winter bitter kaltes, denn es gab nur Leinwandwände in den 10-Mann Zelten, Lager verpflanzt wurden. Wie die Insassen versuchten, mit diesem Schicksal umzugehen, wird in der Ausstellung dargelegt. Sie schufen sich eine eigene Verwaltung, eine Lagerzeitschrift, trieben Sport und spielten Theater, die weiblichen Rollen wurden mangels Frauen von Männern besetzt und versuchten, so gut es ging, ein ‘normales’ Leben zu führen. Aber sie blieben eben doch Gefangene, die sich nach der Freiheit sehnten. Dieses Gefühl findet seinen mitleidserregenden Ausdruck in einem Gedicht eines Internierten unter dem Titel: “The Gate”. Es lautet:

The great strong gate of  the G.C.C
With its bar and its lock, how it fascinates one
One side: cruelty, wrongs and ills;
Beyond: open fields and the free green hills.
The great strong gate of the G.C.C.
Bestow a favour today upon me:
Outside on the green, ‘neath the sunlight’s glance
Two children were stepping a merry dance.
Oh children’s voices, oh children’s play
How I long for you more and more each day.
And I pray for the time when you’ll open for me
You great strong gate of the G.C.C.

Ein wahrlich erschütternder Aufschrei einer gefangenen Seele!
In unserer Gruppe befand sich ein Nachkomme eines Internierten aus dem ersten Weltkrieg. Er konnte Vieles von dem bestätigen, was in der Ausstellung gezeigt wurde.
Wir waren alle von der Ausstellung betroffen und zugleich sehr angetan. Sie ist in gewisser Weise mutig als Kontrast zu den patriotischen Feiern dieser Tage und wer sie noch nicht gesehen hat, sollte die Fahrt nach Liverpool wagen.

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