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Das Buch „All That I Am“ war Thema beim ökumenische Kulturkreis

Dietrich Rehnert

Am Mittwoch, den 24. Juli 2013, traf sich der ökumenische Kulturkreis (bei heissem Tee, kühlem Wein und Knabbereien) im Gemeindehaus in Croydon. Thema des Abends war „All That I Am“, das neue Buch von Anna Funder. Vor ein paar Jahren stand ihr erstes Buch“Stasiland“ auf dem Programm – und sie war selbst anwesend! Heute lebt sie in Brooklyn, ist berühmt – und für uns nicht mehr erreichbar. Aber wir hatten ja Dietrich Rehnert, der uns das Buch vorstellte. Seine erste Frage war:“Was für einen Eindruck hattet ihr, die ihr das Buch schon gelesen habt?“ Vier der Runde meldeten sich zu Wort und gaben ihre Kommentare zu Inhalt – ist es ein Roman (fiction) oder „Faction“ – und Stil – elegant und präzise, ab. Da die meisten von uns das Buch noch nicht gelesen hatten (dazu gehöre ich), fasste Dietrich den Inhalt kurz zusammen:

Ernst Toller, linker Dramatiker, für 9 Tage Präsident der kommunistischen Räterepublik von Bayern in 1919, 5 Jahre Haft, voll abgebüsst, diktiert nun 1939 in New York seine Erinnerungen, nimmt sich im Mai 1939 dort das Leben.

Dora Fabian, Kopf der Exilgruppe in London, wird zusammen mit der ehemaligen liberalen Abgeordneten Mathilde Wurm 1935 in London von den Nazis ermordet, die englische Untersuchung ergibt nicht dieses Ergebnis, weil man die Nazis schonen will. Dora Fabian und die Gruppe hatten für einen internationalen Prozess gegen die Nazis in Sachen Reichtagsbrand gearbeitet, der weltweites Aufsehen gegen die Nazis erreicht hatte.

Ruth Blatt, Kusine von Dora Fabian, wird 1934 in Deutschland zu fünf Jahren Haft verurteilt wegen Verteilung antinazistischer Flugblaetter. Nach Abbüssung gelingt die Flucht nach Shanghai, 1947 die Einreise nach Australien, dort stirbt sie 2001 im Alter von 95 Jahren als Freundin von Autorin Anna Funder, die sie als 18jährige kennengelernt hatte. Sie wird romanhaft von Anna Funder als Mitglied der Londoner Exilgruppe „verarbeitet“, was sie nicht war.

Die vorgelesenen Texte demonstrierten Annas schriftstellerisches Talent und machten Appetit auf mehr (Buch – nicht Knabbereien!). Am spannendsten waren aber Dietrichs erläuternde Kommentare zu den Geschehen damals, die er als Geschichtsforscher und Raconteur einbrachte – zu den von Anna Funder akribisch recherchierten Hintergründen. Ein äusserst interessanter Abend und ein herzliches Dankeschön an Dietrich.

Kommentar ( 1)

  1. Antworten
    Dierk Mohr says:

    Es war ein wirklich interessanter Abend und von Isabell auch toll zusammengefasst. Dietrich auch meinen herzlichen Dank
    fuer die einfuehlsame Darstellung des Buches und besonders der Autorin.

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