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Die Reise geht weiter

Am Mittwochabend den 17. Februar 2010 traf sich der Kulturkreis zur Fortsetzung der Hörreise durch den roten Kontinent. Dietrich Rehnert – bewaffnet mit Tagebuch Nr. 394 und den CDs – fasste den Beginn der Reise (vorgetragen am 21. 10.09) kurz zusammen und dann ertönte das Signal des abfahren Zuges mit passender musikalischer Begleitung. Wir waren auf dem Weg nach Herrmannsburg – der für die Missionare in den 1870ger Jahren mit Pferden, Schafen und Rindern ein sehr beschwerlicher und langwieriger war. Sie wussten so gut wie nichts über das Land und die Aborigines und ihre Kultur, schrieben aber die ersten Wörterbücher über die Sprache des Arrernte Stammes – und stellten fest, dass die biblische Geschichte vom reichen Mann und Lazarus nicht verstanden wurde, denn es gibt kein Wort für arm oder reich bei den Aborigines – alles ist Gemeinschaftsgut.

Hier stellte sich die Frage, ob die Missionsarbeit den erwarteten Erfolg mit sich brachte – stiessen hier doch “moderne” Anschauungen auf eine 30,000 jährige Tradition, deren Riten und Gesetze von Generation zu Generation weitergeben wurden – konnte die eine die andere ersetzen? Ein Beispiel: ein aboriginal Lutherischer Pfarrer hat noch nie ein Wort mit seiner Schwiegermutter gewechselt – das ungeschriebene Gesetz verbietet es.

Carl Strehlow führte die Missionsarbeit weiter – die ersten Missionare kehrten nach Jahren der Entbehrungen der Mission den Rücken – und sein Sohn Ted wurde dort geboren. Er sammelte die Geschichten, Lieder, Gebräuche der Aborigines auf Fotos, Film und Kassetten und die Stammesältesten vertrauten ihm auch rituelle Objekte an, für die sich inzwischen schon Sammler interessierten und hohe Preise boten. Er gründete das Strehlow-Research-Institute in Adelaide – und starb Stunden vor dessen Eröffnung – die Legende will es haben, dass die Aborigines ihn “zu Tode sangen”, hatte er doch Bilder und Dokumente vom “secret men’s business” veröffentlicht, die dann, entgegen seiner Vorgabe, auch in Australien erschienen. – Inzwischen besuchen junge Aborigines das Institut, um mehr über ihre eigene Kultur und Bräuche zu erfahren.

Dietrich besuchte auch das Yirara College der Finke River Mission (als ehemaliger Lehrer kann man sich sowas nicht verkneifen), eine Internatsschule für Aborigines. Der Schulleiter berichtete, dass in der ersten Zeit von den 200 Schülern 54 am Wochenende verschwanden, um dann wieder mühselig von den Lehrern eingesammelt zu werden – sie hatte Verwandtschaft besucht.

Ein Besuch auf dem Friedhof in Alice Springs gehört sich auch für einen Predikanten. Hier liegen Albert Namatjira (in Herrmannsburg geboren!) und Lasseter (Gold! Gold! Gold? – nein, doch nicht) begraben – und auf einem separaten Teil des Geländes die afghanischen Kameltreiber.

Weiter geht die Reise – die nächste Station ist Darwin. Wir erfahren, dass John MacDouall Stuart sich in der Rinde eines Baumes verewigt hat (der böse Bube!) und das National Archive früher aufmacht, wenn ein wissbegieriger D.R. davor steht und die Kirche ein Messingkreuz hat, das von den Japanern gestiftet wurde als Zeichen dafür, dass es nie wieder zu Krieg zwischen Japan und Australien kommen soll.

Das “Museum and Art Gallery of the NT” beheimatet “Sweetheart” – ein 5.5m langes – zum Glück ausgestopftes – Krokodil, das Touristenboote angriff, weil es anscheinend den Lärm der Außenbordmotoren nicht mochte. Sein Mageninhalt ist aufgelistet … es waren keine menschlichen Knochen dabei!

Dietrich machte auch einen Abstecher in den Kakadu (Gagudju) Nationalpark – und es stellte sich heraus, dass der Ur-urgrossvater des Busfahrers aus Deutschland stammte. Das Restaurant dort stellt hohe Ansprüche: “No shoes – no shirt – no service!” man darf sicher sein, dass unserem reisenden Reporter Einlass gewährt wurde.

Kommentar ( 1)

  1. Antworten
    Tilmann Rust says:

    Mannoman, schade daß ich an diesem interessanten Abend nicht dabei sein konnte. Danke daß wir den Abend hier teilen können!

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