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Oktoberandacht

Erinnert Ihr Euch noch an Elija? Von ihm predigte ich im Juli, wie er erst von Raben, dann von einer armen Witwe wundersam versorgt wurde. Er musste aus politischen Gründen in einen Lockdown.

Nun könnte ich es auch so ausdrücken: Er hat vor einem Klimawandel gewarnt und sich damit die Herrschenden, namentlich die für Wirtschaft und Wohlstand stehende phönizische Königin Isebel und ihre Fachleute, zu Feinden gemacht.

Die Geschichte geht dramatisch weiter. Elija kehrt zurück und fordert die Götzendiener zu einem Wettbewerb mit dem wahren Gott auf, bei dem sie sich bis auf die Knochen blamieren. Das bisher schwankende und „hinkende“ Volk fliegt dem Einzelgänger zu. Aber der tut etwas, was sich nicht gehört: Er rächt sich an seinen vorherigen Verfolgern.

Queen Jesebel ”is not amused“. Sie fordert seinen Kopf, den der schnell wegduckt, indem er vor den Verfolgern in die Wüste flüchtet. Wieder allein, schon wieder Lockdown! Allmählich geht ihm der Lebensmut abhanden. Er sinkt unter einen Ginsterbusch und will nur noch eines: sterben.

Und dann bekommt er etwas, das eine Konfi-Mutter in unserer Gemeinde anbietet: einen unerwarteten Versorgungsdienst. Weil Woolworth und Coles keine Filialen in der Wüste Negev haben, muss das der Bote Gottes selber übernehmen: drei Lieferungen Wasser und Brot frei Busch.

Endlich findet der Prophet die Kraft für eine 40-tägige Wanderung nach Süden zum Sinai. Ca. 320 km durch Wüsten und Wildernisse. Besser und schneller als die 40 Jahre der Vorfahren, die vor der Unterdrückung in Ägypten geflüchtet waren. Aber er gelangt genau zu dem Berg, an dem Mose unter Erdbeben und Gewittern die Zehn Angebote für ein Leben in Freiheit entgegengenommen hatte.

Zurück zu den Quellen des Glaubens! Elija ist gespannt wie ein Flitzebogen. Und Gott, der ihn für diese Wanderung hat stärken lassen, fragt ihn im Schlaf: „Was machst du hier, Elija?“

Voller Stolz berichtet ihm der Gottesstreiter, was Gott längst weiß: von seinem blutigen Einsatz für den rechten Glauben. Wie man sich halt radikalisiert mit der Zeit…

Und Gott, den niemand von Angesicht zu Angesicht sehen kann, lädt Elija zu einer Be- gegnung auf dem Gottesberg ein. Tatsächlich geht der Herr an ihm vorüber. Ein Orkan, der keinen Stein auf dem anderen lässt, kommt auf; aber Gott ist nicht in dem Sturm. Genauso wenig wie Gott in den Tsunamis und Tornados ist und bestimmt nicht in den Unwettern straft; zumal es immer die kleinen Leute zuerst trifft. Auf den Sturmwind folgt ein Erdbeben, und auch in Erdbeben und Erdrutschen ist Gott nicht strafend am Werk. Dann bricht ein Feuer aus auf dem Berg, auf dem einst der Busch brannte, ohne zu verbrennen. Aber auch die Buschfeuer und Waldbrände sind nicht Gottes Werk. Dafür müssen andere Verantwortung übernehmen. Aber Gott ist an der Seite der Opfer.

Ganz am Schluss kommt „ein stilles, sanftes Sausen“. Und Elija erkennt, dass jetzt die Zeit des Zusammentreffens mit Gott da ist. Der Eiferer und Haudegen, der Hammer Gottes – er begegnet dem so ganz und gar
anderen Gott. Sanftmütig und fürsorglich. Er wird von Gott mit Nahrung und Kraft ausgestattet. Er wird von ihm in aller Ruhe und Sachlichkeit von seinen Ämtern entbunden. Elischa wird bald Prophet an seiner Statt. Ein paar letzte Aufträge, der Regierungswechsel ist überfällig. Aber dann übernimmt der Neue für ihn.

Ihr Lieben, möge Gott Euch in Sanftheit und Fürsorge begegnen; damit keine und keiner unversorgt bleibt, und die Schwermut nicht in der Katastrophe endet. Wie der Schweizer Theologe Karl Barth in seinem letzten Telefonat resümiert, als er mit dem Freund Eduard Thurneysen über die Weltlage (1968) spricht: „Ja, die Welt ist dunkel. …. Nur ja die Oh- ren nicht hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert, nicht nur in Moskau oder in Washing- ton oder in Peking, sondern … hier auf Erden, aber ganz von oben, vom Himmel her!“

Gottes Segen und gutes Geleit wünscht

Christian Hohl, Pastor

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