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Spuren

„Nous avons vu les pas de notre Dieu croiser les pas des hommes,“

Das sollte Euch nicht spanisch vorkommen; denn es ist der Anfang
eines französischen Liedes des katholischen Priesters Michel Scouarnec aus dem bretonischen Quimper (Kemper), geboren 1934. Er hat sich viel mit der Liturgie befasst, Lieder gedichtet und einen Radiosender geleitet.

In diesem Lied beschreibt er Gottes Spuren in unserem Leben. Jesus hat unsere Wege gekreuzt. „Wird er wiederkommen, auf unseren Wegen gehen, unsere steinernen Herzen verändern? Wird er wiederkommen, in unsere leeren Hände Liebe und Licht säen?“ Er, der in der Wüste neues Leben aufkeimen ließ, der den trüben Augen wieder Licht und Hoffnung schenkte, der die Hungrigen satt machte, dessen Vater die Arme entgegen- streckte dem verlorenen Sohn.

Der Grieche Jo Akepsimas verleiht den Worten eine leichte, tänzerische, vorwärtsdrän- gende Melodie, die uns aus unserer Lethargie herauszureißen vermag. Der deutsche Ju- gendpfarrer Diethard Zils, dem wir einige neuere Lieder verdanken, hat auch dieses über- setzt und die Frage des Wiederkommens bejaht: „Gott wird auch unsre Wege gehn, uns durch das Leben tragen.“ Im Lied:

„Wir haben Gottes Spuren festgestellt auf unsern Menschenstraßen,
Liebe und Wärme in der kalten Welt, Hoffnung, die wir fast vergaßen.“

Gottes Spuren: Wir können sie in der Natur finden, die Gott so wunderbar geschaffen hat; im Leben Jesu, das uns Gottes Liebe vorgelebt und ausgelegt hat. Aber sie wollen auch in unserem persönlichen Leben auftauchen. Trotz Lockdown und Liebesentzug, trotz Ent- täuschungen und schlechter Erfahrungen: Da ist einer an meiner Seite, der mich in guten wie in schweren Tagen begleitet. Wenn ich Gott dort nicht entdecken kann, dann bleibt er weit weg.

Wenn ich in diesen Wochen des Winters die „Liebe und Wär- me“ nicht spüre, friere ich umso mehr. Wenn die Hoffnung zu- letzt auch noch stirbt, habe ich nichts mehr, an das ich mich hal- ten kann. In Australien ist der Winter anders als in den meisten Gegenden Europas. Immer blüht etwas, immer gibt es Leben und Neuanfang.

„Blühende Bäume haben wir gesehn, wo niemand sie vermutet…
durch tote Fensterhöhlen kam ein Glanz, Strahlen, die die Nacht durchbrachen.“

Noch nicht einmal eine richtige Winterdepression kann Dich
ereilen, weil die Sonne selbst in diesen Monaten noch Kraft
und Wärme hat. Eigentlich haben wir viel Grund zur Dankbar-
keit und Freude hier Down Under. Aber die persönlichen
Schicksale bleiben weiterhin vom Dunkel der Trauer und von der Kälte des Todes be- droht. Davor können wir nicht flüchten, das gehört zum Leben dazu.

Doch die „Sklaven, die durch das Wasser gehn,“ die Bettler und Lahme … beim Tanz, die Stummen, die wieder zu Wort kommen in der Bibel und in unserer Umgebung, die wollen uns Zeugen sein von Gottes Nähe, die auch unser Leben zum Guten hin verändert. Diese Erfahrung, diese Spuren Got- tes auf Deinen Wegen möge Gott auch Dir schenken!

Gottes Segen und gutes Geleit wünscht Christian Hohl, Pastor

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