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Wort zum Mai

Manchmal reitet sich ein Thema zu Tode und wir sprechen einfach nicht mehr darüber. Aus den Augen, aus dem Sinn. Schlimmer ist es, wenn es von einem noch schlimmeren Thema abgelöst wird. Denn ein neues Problem heißt ja nicht, dass ich das andere abhaken kann.

Seit über zwei Jahren dreht sich fast alles um Covid. Erinnern wir uns noch an die furchtbare Saison der Buschfeuer: „Black Summer of death and destruction“? Die war nach einer extrem langen Zeit endlich durch Regen und Stürme beendet worden, als Covid begann.

Und jetzt der zweite verregnete Sommer in zwei Jahren, mit vielen neuen Rekorden: „nie da gewesen“. Und trotzdem wird er bald wieder aus den Schlagzeilen verschwinden, genau wie die Klimaerwärmung und das Sterben des Great Barrier Reef. Immerhin haben es die Koalas zwei Jahre später noch auf die Schutzliste geschafft: vom Aussterben bedroht!

Sonst müsste man ja etwas unternehmen. Und die Versicherungen sind schon bis zum Anschlag ausgelastet. Statt Schutzmaßnahmen vertrauen manche Regierungen eher auf genügend Eigeninitiative und Spenden für den Notfall. Katastrophen mit Ansagen also.

Und jetzt ist der Überfall auf die Ukraine das beherrschende Thema. Hätte man…? Ist Putin verrückt geworden? Viel wichtiger ist die Trauer um die Toten und die Wut über die Zerstörungen. Viel wichtiger ist die Zukunft der Geflüchteten und möglicherweise der Geknechteten. Keiner hält Boykottmaßnahmen ewig aus, auch nicht die Boykottierer. Wie wird es der Weltwirtschaft ergehen? Wie entwickelt sich die Solidarität der unersättlichen Kriegstreiber?

Ich hatte in meiner Ausbildungszeit einen schon älteren Kollegen, der bei Katastrophenmeldungen oft psychisch zusammenklappte. Die Kriege und Erdbeben gingen ihm an die Nieren. Er war vielleicht zu empathisch, zu einfühlsam, zu dünnhäutig? Dann wieder merke ich, dass ich nach manchen Gesprächen über schwere Krankheiten mit genau den Symptomen nach Hause gehe. Weil mir auch das ein oder andere an die Nieren, unter die Haut geht. „Lacht mit den Fröhlichen, weint mit den Traurigen…“ Kann es einem Christenmenschen gleichgültig sein, wenn sein Nächster leidet?

Zurzeit höre ich aus Deutschland immer wieder, dass es lieben Menschen mit alledem sehr schlecht geht. Die Flutkatastrophen an der Ahr und Erft sind ihnen zu Leibe gerückt, haben in unmittelbarer Nachbarschaft Menschen getötet oder obdachlos gemacht. Der Ukrainekrieg und seine Nachbeben erschüttern sie. Man möchte die Nachrichten gar nicht erst einschalten. Es ist genug!

Ich finde die Nachrichten wichtig. Wie der Schweizer Theologe Karl Barth sagte: Zeitung und Bibel lesen. Die Bibel sollten wir nicht weglassen. Sie hat Worte des Trostes und der Stärkung. Sie ist allerdings kein schönes Märchenbuch mit Happyend und „… dann leben sie noch heute.“ Wer das sucht, muss sich etwas wie die „Prawda“ kaufen. Die Sowjets füllten diese Zeitung stets mit märchenhaften Erfolgsberichten.

Mit der Zeitung in der Hand habe ich immer einen Grund zu
beten. Mit der Bibel in der Hand lerne ich, wie ich beten kann.
Am leichtesten mit den Psalmen. Das kürzeste Gebet, das ich je
hörte, stammte von meinem kleinen Patenkind: „Gott. Danke.
Amen.“ Alles gesagt. Als Erwachsene dürfen wir dann ruhig
noch ein paar Bitten für unsere Lieben und für die Notleidenden in aller Welt anfügen. In dem Bewusstsein, dass wir auch mal wieder wie die Kleine kurz be- ten können: „Gott. Danke. Amen.“

Dietrich Bonhoeffer meinte: „Gott erfüllt nicht alle unsere Wünsche, aber alle seine Verheißungen.“ Auf dem Gebet füreinander liegt eine Verheißung. Lassen wir uns diese doch nicht entgehen. Und mit dem Monatsspruch vom Mai lass dir gesagt sein: „Ich wünsche dir in jeder Hinsicht Wohlergehen und Gesundheit, so wie es deiner Seele wohlergeht.“ (3. Johannes 1,2)

Lasst es euch wohlergehen, an Leib und Seele. Und tragt Sorge dafür, dass es auch den Mitmenschen wohlergeht.

Gottes Segen und gutes Geleit wünscht Christian Hohl, Pastor

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