Mit dem Älterwerden verbinden sich für vermutlich alle Betroffenen wesentliche Veränderungen. Das wird sicher noch verstärkt durch den plötzlichen Verlust des liebsten Menschen. Nicht alle diese Veränderungen sind negativer Art. Bei mir hat in diesen Jahren ein Gebetsleben begonnen, wie ich es vorher so intensiv noch nicht erlebt hatte. Das fängt mit dem morgendlichen Aufwachen an, oft noch zu nachtschlafender Zeit:
Guter Gott, hab Dank für eine behütete Nacht.
Das Wachliegen erlebe ich durchweg als eine kreative Zeit:
Guter Gott, hab Dank für deine Stimme in mir an diesem frühen Morgen.
Dann folgt meistens die erste Begegnung mit meinen vierbeinigen Söhnen, den Katern Joschka und Sascha:
Guter Gott, hab Dank für diese Beiden hier. Sie sind teile Deiner Schöpfung und mir anvertraut.
Wenn dann irgendwann die Morgensonne das Wohnzimmer erleuchtet:
Hab Dank, guter Gott, für die Morgensonne. Sie erhellt auch meine Seele.
So geht es durch den Tag, vielleicht mit einer neuen Blüte im Vorgarten, vielleicht mit einer herrlichen Musik im Radio, vielleicht mit einem weisshaarigen Paar, das im Einkaufszentrum Hand in Hand aus einem Cafe kommt. Gründe zur Freude und zum Danken gibt es den ganzen Tag.
So ist es durchaus nicht ohne Scham, wenn ich gelegentlich die negativen Kräfte stärker als Gottes Weggeleit empfinde.

