
8 Wochen bin ich jetzt schon hier in „Down under“. Seit 8 Wochen ein völlig neues Leben, eine neue Art Auto zu fahren, bis jetzt hab ich 3 oder 4 Mal die Seite gewechselt, das Vogelgezwitscher hört sich ganz anders an als im bayrischen Chiemgau, die Menschen auf den Rolltreppen stehen links und gehen rechts, viele neu Menschen durfte ich bis jetzt kennenlernen, mehr werden noch dazukommen, die Erkenntnis, daß Autofahren und Staustehen in Sydney zum Pfarrerdasein gehören, hab ich schon fast verinnerlicht, das Haus in Chester Hill quillt im Moment über vor unausgepackten Kisten. Die Instrumente sind im Musikzimmer fast schon ausgepackt, Tante Frieda, meine BMW, ist leider noch nicht ganz da und die erste Ausfahrt muss noch warten, und der Winter ist total anders als ich es gewohnt bin (wo ist der Schnee?).
Vieles ist ziemlich neu und unbekannt, über Einiges wundere ich mich (noch!) und Einiges kann ich schon richtig genießen. Das Meer, die Strände, die Gottesdienste, die Gespräche mit den Menschen hier, die Sonne und am meisten den fast immer blauen Himmel. Dieser Himmel mit seiner für mich sehr intensiven blauen Farbe ist wirklich etwas Besonderes. Ich genieße die Momente, in denen ich in meiner „Ausserwinkler-Hängematte“ im wahrsten Sinne des Wortes rumhängen und in den Himmel schauen kann. Dieses Blau ist einfach wunderschön, dazu manchmal die weißen Wolken und wenn man richtig hängt auch noch das satte Grün der Bäume. Da kommt man ins Denken und Überlegen. Letzte Woche hab ich da so in meiner Hängematte gelegen und mich gefragt: Was ist für mich der Himmel eigentlich und wo ist er überhaupt?
Ist er: unermessliches Blau, Luftraum für Flugzeuge? Gashülle, Schutzschild oder Gottesort? Wohnen im Himmel die Engel? Oder gibt es mehrere Himmel, so wie den 7. Himmel? Im Deutschen meinen wir mit dem Wort Himmel verschiedene Dinge. Im Englischen dagegen wird unterschieden zwischen „sky“ und „heaven“: „Sky“ meint den sichtbaren Himmel und „Heaven“ meint den göttlichen Ort. Für die Bibel ist der Himmel der Ort, an dem Gott wohnt. Wenn Jesus vom Himmel spricht, meint er nicht „sky“, das sichtbare Himmelsgewölbe über uns. Eindeutig meint Jesus mit Himmel den „heaven“, den Bereich seines Vaters, den Ort, an dem alle irdischen Sorgen vergangen sind, wo aller Unfriede zu Ende ist, wo Gott ganz herrscht.
Das Besondere aber ist, daß Jesus immer wieder davon spricht, daß dieser Himmel auf die Erde gekommen ist. So wie die Erde zur Hölle werden kann, zum unerträglichen, gottfernen Raum, so kann die Erde zum Himmel werden.
Wir müssen nicht darauf hoffen, daß erst in einem Leben nach dem Tod alles besser wird; nein, der Himmel Gottes geht über uns auf, wenn ich mich in einer Gemeinschaft geborgen fühle, wenn ich echte Verzeihung erfahre, wenn mir Menschen begegnen, die mir Gottes Liebe mit einem Lächeln weitergeben.
Das Christentum vertröstet uns nicht auf ein besseres Leben nach dem Tod, nein, das Christentum hat den Menschen in diesem Leben im Blick. Wir können jetzt schon himmlisch leben, auch wenn wir höllisch aufpassen müssen, daß wir den Himmel nicht verlieren.
Ich wünsche Ihnen allen eine „himmlische Zeit“, mit vielen Augenblicken, diesen wunderbaren blauen Himmel auch zu genießen!
Ihr Dirk Wnendt

Kommentare ( 3)
Joachim Keppler says:
7. September 2008 at 5:51Lieber Dirk,
wir hoffen, dass Du fernab des weiß-blauen, bayerischen Himmels einen neuen
beruflichen und privaten Himmel in Deiner neuen australischen Wahlheimat und
Schaffensstätte findest.
Den lichtdurchfluteten Himmel als Methapher für Gott zu verwenden, gefällt mir
sehr gut – in diesem Bild steckt mehr Wahrheit als den meisten Menschen, und
wahrscheinlich auch Dir als Pfarrer, bewusst ist. Neueste Erkenntisse aus der
Quantenphysik sprechen nämlich dafür, dass ein alles durchströmendes Licht die
letztendliche Quelle unserer Existenz und unseres Bewusstseins ist. Damit ergibt
sich erstmals in der Geschichte der Menschheit ein Ansatzpunkt für die
Vereinigung von Religion und Physik und somit die Basis für ein völlig neues
Weltbild, das nicht das Materielle sondern das Transzendente in den Mittelpunkt
rückt. Ich denke, diese Botschaft aus dem „Reich“ der Physik eignet sich
sicherlich auch sehr gut für eine sonntägliche Predigt – so wie es aussieht,
könnte es nicht mehr allzu lange dauern, bis Pfarrer und Physiker gemeinsam auf
der Kanzel stehen, um die Konvergenz von wissenschaftlichen Erkenntnissen und
mathematischen Formeln einerseits und spirituellen Erfahrungen und ethischen
Grundsätzen andererseits in die Welt zu tragen.
Viele Grüße und alles Gute in „Down Under“ wünschen
Joachim, Christine und Annika Keppler
Sebastian Chara says:
22. September 2008 at 2:57Grüß Gott Herr Wnendt,
oh mann… der Reliunterricht ist nichtmehr das Gleiche, wie damals bei Ihnen.
Schöne Grüße,
S. Chara
Milec Christoph says:
30. Oktober 2008 at 8:26Hi Herr Wnendt
Schade dass sie jetz weg sind wer soll nur mein 2tes Kind taufen?
Naja ohne sie is Kirche nicht mehr das was sie mal war!
Schöne Grüße aus dem Bayrischen Siegsdorf
Milec.C