Wir sind keine regelmässigen Kirchgänger, keine Christen, die vor dem Essen beten oder einen Fisch ans Auto kleben.
Doch suchen wir – wann immer wir ein Stück „Kirchenheimat“ brauchen – die deutsche evangelische Gemeinde auf, um uns dort auszutauschen. Sei es über banale Themen wie das Wetter, unsere nächste Urlaubsreise oder eine Lektüre, die man gerade liest. Im Kreis dieser Gemeinde findet man schnell Anschluss und Gleichgesinnte, gibt es immer Gesprächsstoff und Ablenkung.
Konfirmation
Unsere Tochter wurde 18 Monate nach unserer Ankunft konfirmiert. Der voran gegangene Konfirmationsunterricht fand abwechselnd einmal monatlich in den Häusern der Konfirmanden statt. Als wir die „Gastgeber“ waren, verbrachte die Konfi-Gruppe den Unterricht auf der Terrasse, interpretierte Bibelstellen und diskutierte (sprichwörtlich) über Gott und die Welt. Sie sangen Lieder unter Begleitung von Pfarrer’s Gitarre, Nachbar’s Rasenmäher und laut zwitschernden Vögel. Es gab Kuchen, belegte Brote und Getränke. Rückblickend erinnere ich mich an meinen Konfirmationsunterricht, der im kargen Seminarraum der Kirche abgehalten wurde und gefühlsmäßig mehrere Stunden dauerte. Am Tag meiner Konfirmation war ich heilfroh, mich endgültig von dem strengen Pfarrer verabschieden zu dürfen und nicht mehr ellenlangeTexte auswendig lernen zu müssen.
Heiligabend
Jedes Jahr an Heiligabend findet nachmittags der Familiengottesdienst statt, der so gut besucht ist, dass man mindestens 1 Std. vorher da sein sollte, um sich einen freien Platz auf der Kirchenbank zu sichern. Der Gottesdienst wird von einem gemischten Chor begleitet, dessen „Highlight“ eine Sopranistin mit „Engelsstimme“ ist. Es gibt einen echten Tannenbaum mit Strohsternen, und die Kinder führen ein Krippenspiel auf. Die Gemeinde singt Weihnachtslieder und zwischendurch wird eine kurze, aber „treffende“ Predigt gehalten, die so manches Mal vom Geräuschpegel der großen Kinderschar unterbrochen wird. Es ist ein untypischer, aber trotzdem traditioneller Weihnachtsgottesdienst, auf den man sich jeden 24. Dezember freut.
Und wenn bis dahin wegen den hochsommerlichen Temperaturen noch keine richtige Weihnachtsstimmung aufgekommen ist, so geschieht dies spätestens am Ende des Gottesdienstes, wenn alle unter Orgelbegleitung „Oh Du Fröhliche…..“ singen. Dann weiß und fühlt man, das Weihnachten (endlich) angekommen ist.
Ökumenischer Buschgottesdienst
Zwei- bis dreimal im Jahr organisieren die Pfarrer der deutschsprachigen katholischen und evangelischen Gemeinde einen ökumenischen Gottesdienst. Dieser findet – wie der Name schon sagt – im Grünen statt und lockt viele Familien an. Es wird musiziert, die Kinder tragen Bibelstellen vor, es wird gemeinsam gepredigt, und die Besucher können aktiv mitmachen. Nach dem Gottesdienst wird gegrillt oder ein Picknick veranstaltet. Diese Gottesdienste vermitteln nicht nur ein Gefühl der Gemeinschaft und Zugehörigkeit. Sie spiegeln auch die Toleranz beider Glaubensgemeinschaften wider: Niemanden interessiert, zu welcher Religion man gehört. Was zählt ist, dass wir alle für die gleiche Sache zusammen kommen. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass im Informationblatt der evangelischen Kirche für Veranstaltungen der katholischen Gemeinde geworben wird und umgekehrt.
Gruppen
Die Pastoren beider Kirchen taufen, kommunieren, konfirmieren, trauen, trauern, predigen, seelsorgen, trösten u.v.m.. Sie werden von vielen helfenden Händen unterstützt. Einige dieser Helfer und Gemeindemitglieder haben unterschiedliche (Interessen-)gruppen gebildet:
Da gibt es die Kulturarche, die religiöse, sportliche, musische und politische Schwerpunkte verbindet. Es gibt die „Luthers Angels“ – eine Motorrad-Clique, die sich zu Spritztouren einfindet und die Strassen verunsichert sowie den ökumenischen Kulturkreis, der immer wieder neue Ideen aus dem „kulturellen Hut“ zaubert. Wer der „Midlife-Crisis“ entfliehen oder sie gar ausleben will, kann sich den U’Fuffies“ anschliessen: Diese Gruppe verkörpert die „Junge Kirche“ und organisiert interessante und abwechslungsreiche (Freizeit-)Aktivitäten.
Auszug aus Jesaja 62, 11:
Siehe, der HERR lässt es hören bis an die Enden der Erde – damit meint ER gewiss seine Schäfchen in DOWN UNDER…..



Kommentar ( 1)
Dietrich Rehnert says:
15. Dezember 2012 at 8:23Ich habe mit grosser Freude diesen Beitrag gelesen: offen und ehrlich, eine in der Sache anschauliche Schilderung unseres Lebens hier und doch nicht ohne eine mehrfach anklingende innere Beteiligung. Mein Dank geht an die Verfasserin. Ihr und ihrer Familie wuensche ich die Freude und den Segen des Christfestes.
Dietrich Rehnert