Im Rahmen eines Deutschland-Aufenthaltes wollte ich am letzten Sonntag vor dem Christfest jene Kirche zum Gottesdienst aufsuchen, in der meine ältere Tochter und ihr Mann getraut wurden und ihr Sohn, mein ältester Enkel, seine Konfirmation erlebte.
Ich wusste so ungefähr die Grundrichtung, doch war ich nicht sicher.
Mangels anderer Möglichkeiten machte ich einem sehr forsch heranrauschenden Radfahrer ein Zeichen ohne viel Hoffnung, dass er anhalten würde. Er hielt mit quietschendem Rücktritt und leicht schleuderndem Hinterrad. Ich entschuldigte mich, erwähnte aber, daß ich sonst niemanden nach dem richtigen Weg fragen konnte. Er wehrte meine Entschuldigung ab und sagte dann wörtlich:
„Aber dafür bin ich doch da!“
Ich erfuhr den richtigen Weg und bedankte mich herzlich. Auf dem weiteren Weg zur Kirche fragte ich mich, wie diese Welt aussehen würde, wenn viele Menschen diese Einstellung hätten, für Hilfsbedürftige einfach da zu sein. Ich werde den Namen des Radfahrers niemals erfahren, doch die Erinnerung an ihn wird bleiben.

