Wenn ich heute in Deutschland fragen würde nach Wörtern, die unmodern geworden sind, dazu dann eine anzukreuzende Liste vorgeben würde, wäre das Ergebnis mit dem Wort in der Überschrift fast mit Sicherheit vorhersehbar: Dienen würde durch die Bank angekreuzt werden als ein überholter Begriff. Als Kind mußte ich fremden Menschen mit einem Diener die Hand geben und wurde meistens dafür gelobt.
Am Ostermontag kam meine Untermieterin heim und begrüßte mich mit dem folgenden Satz: „the garden looks terrific!“ Des Rätsels Lösung: am Mittwoch vor dem Auferstehungsfest war wieder einmal eine Gruppe von Freiwilligen des „Northern Beaches Community Service“ bei mir erschienen und hatte in ca. vier Stunden unbezahlter Arbeit vollbracht, was meine Untermieterin so gelobt hatte. Wenn ich Besuchern aus Deutschland erzählte, daß für die Olympiade in Sydney mehr als 50.000 unbezahlte Freiwillige viele verschiedene Dienste geleistet hatten, stieß ich oft auf fast ungläubiges Staunen.
Wie immer man dieses Phänomen bezeichnen mag in diesem Land: eine wahre Unzahl gesellschaftlicher Notwendigkeiten lebt von diesem Geist, trägt täglich zu einer humaneren Alltagswirklichkeit bei. Australien kann stolz darauf sein. Wem geholfen wird, wird nicht fragen nach der Motivation. Für uns könnte es der Geist der Bergpredigt sein.
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Kommentar ( 1)
Dierk Mohr says:
13. April 2012 at 9:18Diesen Eindruck habe ich auch von Anfang an meines Hierseins gehabt.
Die gegenseitige Hilfe kommt auch in den „working bees“ bei Schulen und Kindergaerten oder in der Vielzahl der Rotary, Lions, Apex Clubs zum Ausdruck, die sich alle zum Ziel setzen :giving back to the Community.
Besonders beeindruckt hat uns der Einsatz bei den Buschfeuern und dem grossen
Sturm in Kuringgai vor etlichen Jahren.
Und alles wird gemacht ohne viel Gedoens und ohne Ruf nach dem Staat, im Gegenteil, es macht den Helfern und den Geholfenen Freude.
Danke, Dietrich, dass Du das so in den „Alltag“ hineingestellt hast.
Dierk Mohr