
Seit vielen Jahren bekomme ich von unserer katholischen Schwestergemeinde zum Jahresbeginn einen täglichen Abreißkalender geschenkt. Schon manche Gedanken in dem Kalender wurden zum Ausgangspunkt eines „Wort zum Alltag“.
Erst jetzt habe ich mir die Frage gestellt, wer denn für ein ganzes Jahr die Verfasser und ihre Texte auswählt. Anlass war ein eigenartiges Kalenderblatt in diesen Tagen, ein Gedenken an den Geburtstag Johannes des Täufers. Ausgerechnet von einem ehemaligen hohen Kulturfunktionär der DDR stammte der Text. Ich rede von Johannes R. Becher, dessen Namen seine Gegner geringfügig verändert hatten. Sie sprachen von „Johannes Erbrecher“,
Er schrieb: „Sei nicht so bequem, einen anderen für dich denken zu lassen.“
Genau das jedoch tat die SED – Partei des „Arbeiter- und Bauernstaates“. Unabhängiges Denken war lebensgefährlich. Zum Einsperren der eigenen Bevölkerung wurde schließlich 1961 die Mauer gebaut.
Bei 365 Kalenderblättern eines Jahres kann auch mal ein Missgriff geschehen.
(Bild von Triggerhappy via Wikimedia Commons)
