Als meine Mutter 1987 in ihrem 86. Lebensjahr starb, gab mir mein Vater eine besondere Gabe, die sie mir zugedacht hatte: ihr Gesangbuch, das sie immer sehr gehütet hatte.
Mein Vater sagte noch: „schau es dir gut an.“ Das tat ich erst lange danach, es war eine Entdeckung und gehört zu den wenigen Dingen, die mit mir nach Australien gekommen sind.
Auf der Titelseite ist ihr Name eingedruckt, auf der übernächsten Seite ihr Bibeltext zur Konfirmation, erhalten am 11. April 1915, also vor genau 100 Jahren und schon im 1. Weltkrieg: „Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal, haltet an am Gebet.“
Darunter der Konfirmationsspruch meiner Schwester vom 2. Ostertag 1945, Tage später fuhren die amerikanischen Panzer in den Ort; „Ich vermag alles durch den, der mich mächtig macht, Christus.“
Ganz am Schluß des Buches befinden sich etliche Seiten für „Gedenktage in Freud und Leid“, die meine Mutter eifrig genutzt hat.
Nur wenige will ich hier aufschreiben: „Am 3. September mein Hochzeitstag mit Erich Rehnert.“
Die nächste Eintragung lautet: „Unsere Kinder voll Freude empfangen: am 2.06.1930 Eva, am 28.07. 1936 Dietrich.“
Das zu dieser Osterzeit 100 Jahre alte Gesangbuch wird nun im Mai nach Deutschland zurückkommen: mein ältester Enkelsohn wird es bei sich haben, wenn er zu seinem ersten Patenamt eingesegnet werden wird.
Das Zeugnis des Lobpreises Christi wird hoffentlich noch an folgende Generationen weitergegeben werden.
Noch keine Kommentare

