Auch nach inzwischen 15 Jahren in Australien habe ich immer noch mit manchen Menschen Kontakt in Deutschland. Zum ersten Weihnachtsfest schickte ich ein Rundschreiben mit jeweils persönlichen Anmerkungen an nicht weniger als 60 Empfänger. Ich bekam 6 Reaktionen und mußte mich mit der alten Weisheit abfinden, die da lautet:
„Aus den Augen, aus dem Sinn.“
Es kamen aber auch neue Kontakte hinzu, mit denen nie zu rechnen gewesen wäre. Von einem dieser neueren Briefpartner bekam ich gerade einen Bericht über seine persönliche Situation. Zunächst schrieb er, daß es zu seiner älteren Tochter keinerlei Kontakte mehr gäbe, von der jüngeren lautete das Fazit nach der Schilderung der abnehmenden Kontakte:
„Aber was soll es? Ich brauch sie nicht!“
Mich läßt dies nun gar nicht mehr los. Einmal kenne ich das auch sehr persönlich, zum anderen könnte und wollte ich den letzten Satz weder fühlen noch schreiben. Auch 30 Jahre nach der Scheidung von ihrer Mutter leide ich unter dem Verlust meiner jüngeren Tochter, für die die Unterstützung der Mutter gleichzeitig die Abwendung vom Vater war. Inzwischen ist sie längst selbst geschieden. Es sind jene Geschehnisse, bei denen in aller Schuld und Trauer uns die Wendung an Gott bleibt.

