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Karfreitag

Karfreitag

Von vielen Menschen in meinem Lebensumfeld weiß ich, daß sie wie ich selbst große Probleme mit dem Geschehen des Karfreitags haben. Den vor zehn Jahren herausgekommenen Film „The Passion of Christ“ habe ich mir weder ansehen können noch wollen, obwohl mich mehrfach enge Freunde dazu eingeladen haben. Das entsetzliche Leiden dessen, der nur Gutes tat, ist mir schon  beim Denken daran fast unerträglich
Es kommt eine Erinnerung hinzu, von der meine Haltung möglicherweise spezifisch mitgeprägt worden ist.  In der vorletzten Klasse vor dem Abitur bekamen wir einen neuen Fachlehrer. Von der ersten Minute an hatten wir den Eindruck seines starken Andersseins, so möchte ich es einmal beschreiben. Er lachte oder lächelte nie, mehr noch, es ging eine gewisse Kälte von ihm aus. Nachdem das einige Wochen so ging, sprachen einige Mitschüler und ich mit unserem Klassenlehrer. Er sagte uns diesen Satz:

„In der Schlußphase des Krieges hat Herr Dr. J. das Kreuzigen seiner Frau und seiner Kinder an einem Scheunentor mit ansehen müssen.“

Noch nach etwa 60 Jahren kann ich es nicht ohne Tränen aufschreiben. Es ist mir  zu einer Weichenstellung meines Lebens geworden.
Als Christ weiß ich aber die Zusage des dann zu Ostern Auferstandenen:

„Ich lebe und ihr sollt auch leben!“

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