
Auf der längsten Eisenbahnreise meines Lebens (Göttingen nach Vietnam mit ca. 15.000 Kilometern) war die erste Station naturgemäß unsere alte und neue Hauptstadt Berlin. Bei jedem meiner zahlreichen Besuche in Berlin hatte es jeweils immer noch neue Besichtigungspunkte gegeben. Diesmal war es eine Sonderausstellung zu Leben und Werk der Malerin, Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz.
Unter dem Motto „Ich will wirken zu dieser Zeit“ wurde ihr Werk umfassend gezeigt. Sie war mir vor allem bekanntnis für ihr künstlerisches Engagement auf dem Gebiet des armseligen, skandalösen Lebens des städtischen Proletariats.
In der Nazizeit erhielt sie sehr rasch Besuch der Gestapo, die bei einer Fortsetzung mit dem Konzentrationslager drohte. Neben den künstlerischen Werken wurden in der Sonderausstellung auch schriftliche Zeugnisse einbezogen.
Eines habe ich mir damals aufgeschrieben. Es lautet:
„Mir kommt es jetzt in dieser Zeit so vor, als ob es die wichtigste Aufgabe des alternden Menschen ist, Liebe und Wärme zu geben, wo er kann.“
Vielleicht ist uns älteren Menschen diese Aufgabe geblieben in ihrer zeitlosen Bedeutung.
