
Die deutsche Sprache hat ja schon die Eigenschaft, daß mit ihr Wortungetüme gebildet werden können. Ein solches mittleres Wortungetüm ist das der Laienpredigerausbildung.
Was sich dahinter verbirgt ist aber gar nicht so schlimm, und, zumindest wenn Thomas sie leitet, schon fast vergnüglich.
Also, bisher haben sich drei Mal vier Gemeindeglieder (Heidelies, Isabel, Mathias und Verfasser) unter Leitung von Thomas getroffen, um sich auf den Einsatz in unserer Gemeinde als Laienprediger vorzubereiten.
Das erste Mal machten wir einen Gang durch die Liturgie. Es war in der Tat ein Gang mit dem die verschiedenen Stufen des “wir nähern uns Gott” nachvollzogen wurden. Wir traten ein in den Vorraum unserer Martin-Luther-Kirche. Unserer Vorraum ist klein, in größeren Gotteshäusern ist er größer und enthält manchmal auch einen Brunnen, wird Paradies genannt und erfüllt stets denselben Zweck, uns auf den Eintritt ins eigentliche Gotteshaus einzutimmen. Durch die verschiedenen Stufen der Anrufung Gottes, des Dankgebets, des Psalmgebets, des Sündenbekenntnisses, der Bitte um Erbarmen näherten wir uns, Bankreihe um Bankreihe vorrückend, dem Altar und kamen in der ersten Reihe an mit dem “Allein Gott in der Höh sei Ehr”, das, im Walzertakt, fröhlich und geschunkelt, das Nähern zu Gott abschließt. Das war der erste Abend.
Der zweite Abend war mehr der Technik gewidmet. Nicht der Computertechnik, auch nicht der Elektrotechnik, sondern der Sprechtechnik. Thomas erläutete uns, dass früher Prediger ohne technische Hilfsmittel, wie Mikrophon etc., auskommen mussten. Selbst heutzutage ist es wichtig, gut zu sprechen. Das fängt mit dem richtigen Atmen an. Thomas gab uns dazu einige Tips und Anleitungen. Dann teilte er Bibeltexte aus, die wir, ohne Mikrophon und mit Zuhörern im Hintergrund des Kirchenraums verteilt, vortragen sollten. Nach mehrmaligen Üben klappte es schon besser. Auch flüsterte Thomas jedem etwas ins Ohr, was sie oder er beim Vortrag beachten sollten. Das verbesserte den jeweiligen Vortrag schon noch um einige Punkte!
Während des dritten Abends führten wir ein Experiment durch, einen sogenannten ‘Bibliolog’.
Ein Bibliolog ist, wie Thomas erläuterte, eine Methode der interaktiven Auslegung biblischer Texte in Gruppen. Die Teilnehmer werden gebeten, sich mit einer Person des Textes zu identifizieren und in der “Ich-Form” deren Gedanken und Gefühle Ausdruck zu geben.
Der Text, der unserem Bibliolog zugrunde lag, war Matthäus 14, 22-32, die Geschichte von Jesus auf dem Meer und Petrus, der ihm entgegen kommen will, jedoch erschrickt und fast ertrinkt. Jeder von uns versuchte, sich in die Haut von Petrus, Andreas und auch Jesus selbst zu begeben. Sehr interessant was dabei herauskam! Thomas verstärkte und vertiefte das was wir gesagt hatten durch Wiederholungen der Hauptgedanken. Das war der dritte Abend.
Wir können es gar nicht erwarten, was auf uns in den nächsten Lektionen zukommen wird und danken Thomas für seine ganz tolle Leitung!
