Das „Wort zum Alltag“ der Vorwoche hatte die Überschrift „Mitfreuen können“. Hier kommt nun das eher traurige Gegenstück.
Als junger Student war ich per Anhalter bis in die iranische Hauptstadt Teheran gelangt. Ein armenischer Autofahrer hatte mich nicht nur mitgenommen, sondern in seine Familie eingeladen. Bei einem Stadtbummel begegneten wir einem seiner Freunde. Dessen herrlichen Skipullover bewunderte ich sehr, doch die Konsequenz war völlig überraschend . Er zog ihn über den Kopf und schenkte ihn mir. Nur mit viel Mühe war die Rücknahme des Geschenkes zu erreichen.
Später sagte mir mein Gastgeber:
„Das darf du nicht wiederholen. Wenn man etwas an jemand bewundert, bekommt man es geschenkt, damit kein Neid entsteht.“
Neiderfahrungen vielfältiger Art in anderer Mentalität habe ich später oft an anderen Menschen beobachten können. Ich habe Mitleid mit Menschen, die sich nicht mitfreuen können, sondern Neid entwickeln. So habe ich früh lernen dürfen, niemals Neid zu entwickeln. Durch ihn wird viel beschädigt oder sogar zerstört in unserem Zusammenleben.
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Kommentar ( 1)
Bernd Schönfeld says:
17. April 2013 at 10:27Dieses „Wort zum Alltag“ hat mich sehr angesprochen. Hier in Südostasien, wo wir uns derzeit aufhalten, werden wir fast täglich mit ähnlichen Erfahrungen, wie den von Dietrich Rehnert geschilderten, konfrontiert und es ist oft genug ein „Drahteilakt“ und die hohe Kunst der Diplomatie, evtl. aufkommende Neidgefühle bei vielleicht weniger Bedürftigen, und von daher nicht berücksichtigten Familienangehörigen, bereits im Ansatz zu zerstreuen. Deshalb haben diese Zeilen für mich einiges relativiert und mich darüber hinaus auch ein wenig amüsiert.
Vielen Dank!