2

Von der Stille

Stille

Vor einigen Wochen bekam ich von einem Freund den Hinweis auf einen Satz des chinesischen Philosophen Laotse:

„Die grösste Offenbarung ist die Stille“

Seitdem hat mich dieser Satz immer mal wieder über ihn nachdenken lassen. Einige Erfahrungen und Erinnerungen möchte ich gern teilen.
Bei Meditationswochenenden machten die meisten der anderen Teilnehmer und ich selbst die Erfahrung, dass stille Zeiten nach ihrem Ende in der Zeit durchweg falsch eingeschätzt wurden. Die stille Zeit wurde überwiegend als viel länger eingeschätzt als sie wirklich war. Die stille Zeit hatte also sozusagen psychisch die Zeit individuell verlängert.
Mehrfach im Leben bin ich gefragt worden, warum in der Bibel zahlreiche Gottesbegegnungen geschilderty werden, doch kaum noch in unserer Gegenwart. Ich habe geantwortet, dass wir vielleicht zu ihrer Wahrnehmung selbst zu laut geworden sind.
Am häufigsten habe ich die Wahrnehmung der Stille erlebt bei Tierbeobachtungen in der freien Natur. Sie können nur bei völliger Stille gelingen und sind auch dann ein Erlebnis, wenn es nicht zur erwünschten Begegnung kommt.
Stille kann auch quälenden Charakter bekommen, wenn sie nach dem plötzlichen Tod eines geliebten Partners zwangsweise vorherrscht.
Phasen einer freiwilligen Stille führen oft zum Wahrnehmen ihres Reichtums.

Kommentare ( 2)

  1. Antworten
    martin reusch says:

    In der Stille liegt die Kraft. Ohne regelmaessige Stille / Meditation ist die Ueberflutung mit Eindruecken jeglicher Art nicht ohne Schaden zu ertragen. Laotse hat recht. Vielen Dank Dietrich fuer Dein Wort.

  2. Antworten
    Angelika says:

    Durch einen Totalausfall war ich etwa 24 Stunden ohne Internet, Telefon, TV. Also griff ich auf mein 36 Jahre altes Radio zurück. Dort lief gerade eine Sendung, ob es möglich sei, 7 Tage ohne Smartphone zu überstehen. Als Nichtsmartphonebesitzer hatte ich dieses Problem gar nicht. Aber ich gebe zu: eine Funkstille, auch im übertragendem Sinn, ist für mich schwer zu ertragen.

Einen Kommentar posten