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Wie schade!

Tuerschlüssel © tinadefortunata - Fotolia.com

Am vergangenen Freitag wurde aus der hiesigen Kirchengemeinde ein besonderer Mensch zu Grabe getragen. Wenn ich schreibe „aus der hiesigen Kirchengemeinde“ könnte mich jemand sehr ernsthaft korrigieren wollen. Wir nahmen Abschied von einem Menschen, der als zugehörig zur Gemeinde befunden wurde, obwohl er selbst kein Christ war. Er begleitete seine christliche Frau zu jedem Gottesdienst, nahm zusammen mit ihr an zahlreichen Gemeindeveranstaltungen teil.
Erstmalig saßen wir nah beieinander bei einem Mittagessen, dem der Vortrag eines Gastredners folgte.
Unmittelbar nach dem Platznehmen wandte er sich mit einer historischen Frage zur deutschen Geschichte an mich. Bevor ich sie halbwegs beantwortet hatte, kamen drei Zusatzfragen zum Thema.
Etwa so verliefen unsere anderen Begegnungen. Einmal wurde ich befragt zu einer geplanten Kreuzfahrt auf Flüssen und Kanälen in Zentraleuropa. Da wußte er schon von seinem Gehirntumor. Einmal wies ich eine Verkäuferin in der Apotheke auf meinen Seniorenstatus hin, mit dem man einen Preisrabatt bekam. Ich hatte kaum ausgesprochen, als jemand hinter mir zur Verkäuferin sagte: „Glaubt ihm kein Wort, er fährt jeden Tag mit seinem Fahrrad durch die Gegend!“ Es war wieder jener Mann, über den ich inzwischen erfahren hatte, daß er vor seiner Pensionierung promovierter Schulleiter einer namhaften Jungenschule gewesen war. Ich hätte ihn gern zum Freund gehabt, doch traute ich mich nicht. Einmal wählte ich die Telefonnummer des Ehepaares und legte doch vorzeitig auf.
Heute kann ich nur noch sagen:

„Wie schade!“

Das Leben öffnet uns oft bestimmte Türen. Hindurchgehen müssen wir selber.

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